Schon seit ich klein bin, interessiere ich mich für
Fotografie.
Ich weiß noch genau wie mein Opa mir mit den besten Absichten zum
Geburtstag - ich denke es war mein achter oder neunter - eine analoge
(natürlich analog, immerhin war das Ende der 80er) Kamera mit tausenden
Einstellmöglichkeiten schenkte. Eine ältere gebrauchte Kamera, die teuer und
auch richtig gut war, glaube ich... Denn mich hat das natürlich total
überfordert und eingeschüchtert, zumal gemeinsam mit der Kamera nicht etwa eine
kindgerechte Erklärung mitgeliefert wurde und mein Opa selbst auch weniger
Ahnung hatte, als er dachte. Mein erstes
Erlebnis mit der Fotografie hat mich also eher abgeschreckt und ich dachte, ich
hätte einfach nicht das Zeug dazu.
Lange Zeit in meinem Leben habe ich - unabhängig von der
Fotografie - gedacht, dass ich eben einfach nicht kreativ bin. Das wurde mir in
meiner Jugend (eben auch nach dem viel zu frühen Tod des besagten Opas) so vermittelt und ich habe es nie in Frage
gestellt. Außerdem war dafür auch keine Zeit. Schließlich muss man arbeiten
und Geld verdienen und auf eigenen Beinen stehen. Kreativität ist nur für wahre
Künstler und gehört ansonsten in den Kindergarten und die Grundschule. Im
echten Leben hat das alles keinen Raum, also ist es auch gar nicht schlimm,
dass ich für sowas nicht geeignet bin.
Dann stellte sich mein Leben plötzlich auf den Kopf und ich
wurde krank. Noch immer sträubt sich etwas in mir, wenn ich dieses Wort benutze.
"Krank". Ich hatte schließlich kein körperliches Gebrechen, dass man
herzeigen konnte, um seine Krankheit sichtbar zu machen. Eigentlich war ich
also nur ein Simulant, der keine Lust hatte zu arbeiten. Depression,
Panikattacken oder gar Burnout?- So ein Bullshit! (Ich hoffe, man kann die
Ironie herauslesen!) Damals (und manchmal nach wie vor) habe ich das tatsächlich geglaubt. Aber dennoch
ging es mir schlecht. Richtig schlecht. Und irgendwann dämmerte mir dann, dass
ich eben doch krank bin.
Für den Übergang habe ich mich seinerzeit dank meines behandelnden Arztes mit dem Begriff
"arbeitsunfähig" angefreundet, denn wer krank ist, muss das Bett
hüten und darf keinen Spaß haben. Ich war aber nicht bettlägerig oder ans Haus gefesselt, hatte also ein chronisch schlechtes
Gewisssen, sobald ich vor die Tür gegangen bin oder auch nur gelacht habe, und da hat mir diese kleine Wörtchen sehr geholfen. Aber das ist eine
andere Geschichte.
In dieser schwierigen Zeit meines Lebens (die mich vor allem
dank meines Mannes und meiner Hunde so
viel stärker gemacht hat) habe ich einige unerwartete Dinge über mich
herausgefunden. Ich habe gar nicht zwei linke Hände und bin für jegliches
Handwerk ungeeignet, wie ich immer dachte. Ich habe mit häkeln angefangen, mir
selbst das Nähen beigebracht, mich in Naturkosmetik ausprobiert, endlich wieder
begonnen zu schreiben und gemerkt, dass
Kreativität eigentlich in jedem steckt, und in mir sogar eine ganze
Menge.
Ein langer Prozess voller wunderbarer Entdeckungen!
Ich
liebe es, tausend neue Dinge zu probieren und einfach auszutesten, was mir liegt
und was nicht. Mein Bullet Journal ist mein treuer Wegbegleiter, ich schreibe
an einem Manuskript für einen Roman, von dem ich nicht weiß, ob ihn außer
meinen Freundinnen jemals jemand lesen wird, meine Hoodies nähe ich mir nur noch selbst, mein letztes Tattoo habe ich selbst entworfen
und nicht mal Malbücher für Erwachsene wirken noch albern auf mich.
Nur die Sache mit der Fotografie hat echt gedauert.
Ich
fange zwar stets und ständig neue Projekte an, aber ich mache keine halben
Sachen. Wenn ich für etwas brenne, dann mache ich es richtig oder gar nicht.
Tja, so eine Spiegelreflexkamera ist nun auch kein Schnäppchen und mit drei
Hunden hat man eh nie die Hände frei zum Fotografieren.
Bei unserem B-Wurf im
Winter 2017/2018 haben wir unglaublich viele Bilder und Videos unserer kleinen
Wunder gemacht, sowohl für die Homepage als auch für eigens eingerichtete Whats App Gruppe mit
den zukünftigen Welpenfamilien. Das hat Spaß gemacht
und war wirklich toll.
Außerdem hatten unsere Kleinen dann aber auch noch zwei
professionelle Shootings und die Ergebnisse waren einfach nur grandios! (Wenn
es euch interessiert: www.jua-manyoya.de, Unterpunkt: Zucht, und dann
B-Wurf-Welpentagebuch)
Jedenfalls war mein Ehrgeiz geweckt.
Außerdem fotografiert
eine liebe Arbeitskollegin und Freundin für ihr Leben gern und ich habe mit ihrer Hilfe meiner
besten Freundin ein Freundinnen-Shooting zu Weihnachten geschenkt. Wir hatten solchen Spaß und die Bilder sind echt schön geworden. Das war der
letzte Schubs in die richtige Richtung.
Ich habe mir eine Spiegelreflexkamera
zugelegt, mit besagter Kollegin an einem Fotoworkshop teilgenommen und bin nun in aller Regelmäßigkeit mit meiner Kamera unterwegs. Selbstverständlich im manuellen Modus (und
meistens sind meine Bilder sogar nicht mehr nur unterbelichtete schwarze Schemen).
Mein Ziel war es, bis zum nächsten Wurf, welcher für diesen
Winter geplant ist, gut genug zu sein, um selbst tolle Welpenfotos zu
schießen.Daran hat sich nichts geändert.
Aber erstaunlicherweise
macht es mir zwar Spaß die Hunde zu knipsen, aber ich entwickle auch so etwas
wie einen künstlerischen Anspruch. Klingt ganz schön größenwahnsinnig für einen
blutigen Anfänger, oder? Ist es aber nicht!
Fotografie ist Kunst!
Kunst ist, was einen fesselt und berührt.
Das kann für jeden etwas anderes sein und es ist unglaublich
erfüllend, seine eigene Kunst zu entdecken. Ich liebe es, das Besondere im
Alltäglichen festzuhalten, Formen oder Farben, die mir ins Augen springen,
Alltagsgegenstände, die eine eigene Geschichte erzählen.
Von Mal zu Mal geht es leichter von der Hand, ich lerne
meine Kamera kennen und komme mir immer weniger bescheuert vor, wenn ich mich
auf den Rücken schmeiße, um die richtige Perspektive zu finden, und mich jemand
dabei sieht.
Nicht jeder kann etwas damit anfangen.
Ich versuche mich nicht
davon entmutigen zu lassen, wenn mein Mann eines meiner Bilder betrachtet und
sowas erhebendes sagt wie "Oh klasse, eine Tür." und dabei in
ungefähr so euphorisch klingt, wie ich beim Gedanken an den nächsten
Zahnarztbesuch.
Solange meine Bilder zu mir sprechen, ist alles gut!Und mein Mann ist trotzdem toll und unterstützt mich.
Ich sehe genauer hin, nehme mir Zeit zu staunen und entdecke ständig etwas
neues, das doch eigentlich schon immer da war. Beim Fotografieren sehe ich nicht auf
die Uhr oder plane im Kopf schon wieder das übernächste Projekt. Ich bin ganz im
Moment und mit mir selbst im Reinen. Die Gedanken kommen zur Ruhe und die Zeit
steht still.
Warum erzähle ich euch das alles?
Weil ich möchte, dass ihr wisst, dass es nie zu spät ist,
etwas neues auszuprobieren. Dass Lernen und Neugierig bleiben euer Zeitgefühl und eure Lebensqualität
beeinflussen kann. Kennt ihr das, dass man mit zunehmendem Alter immer mehr das
Gefühl hat, die Zeit rast und rinnt einem nur so durch die Finger? Als Kind war
das doch anders! Kinder nehmen die Welt unvoreingenommen und neugierig wahr.
Alles steckt voller Wunder und Geheimnisse. Warum geht das verloren, wenn man
erwachsen wird? Ganz einfach: Weil wir es zulassen!
Bleibt neugierig und glaubt
an die Magie und den Zauber eines Augenblicks.
Ich will nicht sagen, fangt an zu fotografieren. Ich will
sagen: Wenn ihr Bock drauf habt, probiert es aus. Und wenn es nichts für euch
ist, könnt ihr euch immer noch meine Bilder angucken ;-)
Probiert so lange rum, bis ihr etwas findet, wofür ihr
brennt. Und wenn es Kreuzworträtsel sind.
Etwas anzufangen und festzustellen,
dass es nichts für einen ist, ist kein Scheitern, es ist lernen und erleben!
Der Weg ist das Ziel.
Tja, und weil es hier selbstverliebter Weise um mich geht,
teile ich dann also ab jetzt auch meine Lieblingsfotos mit euch :-)
Aber genauso geht es um euch! Also her mit euren
Erfahrungen, Bildern, Geschichten. Was auch immer ihr mit mir teilen möchtet,
ich würde mich geehrt fühlen, wenn ihr es tut.

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